Lithium, Glück auf!

Neues Leben im deutschen Bergbau. Der HighTech-Rohstoff ist gefragt, selbst die heimischen Vorkommen rücken ins Rampenlicht.

Lithium ist außergewöhnlich in vieler Hinsicht. Es hat einen hohen Schmelz- und Siedepunkt sowie eine hohe spezifische Wärmekapazität. Durch diese Eigenschaften findet es in Bereichen Verwendung, die sich zurzeit rasant entwickeln: aufladbare Batterien, Glaskeramik und Schmierstoffe. Ohne diese Bestandteile ist die heutige HighTech-Branche kaum noch vorstellbar. Beste Voraussetzungen also, dass sich die Akteure des deutschen Bergbaus die heimischen Lagerstätten in Erinnerung rufen.

LITHIUM, GLÜCK AUF!
Lithium ist ein chemisches Element mit dem Symbol Li und der Ordnungszahl 3. Es ist ein Element aus der Gruppe der Alkalimetalle. Es hat die Atommasse: 6,941 u ± 0,002 u und 2,1 Elektronen pro Schale. Der Schmelzpunkt liegt bei 180,5 °C.

Der Lithium-Bedarf wird weiter steigen, das ist die einhellige Meinung aller Analysten. Mit dem Ausbau der E-Mobilität und der verstärkten Nutzung von stationären Speichern für erneuerbare Energien wächst auch der Rohstoffhunger. Der Rohstoff dient zur Herstellung von Lithium- Ionen-Batterien und Elektroautos wie auch von Mobiltelefonen oder Laptops. Neben den Batterien für elektrisch angetriebene Fahrzeuge findet Lithium auch in stationären Batterien für Gebäude Verwendung. Lithium wird sogar in der Medizin genutzt, insbesondere zur Stimmungsstabilisation bei der Behandlung von Depressionsund Manie-Erkrankungen.

Mit der Zahl der Nutzungsmöglichkeiten vergrößert sich auch der Rohstoffbedarf und steigt der Preis. Das alles lässt auch die Stimmung an der deutsch-tschechischen Grenze steigen, denn hier lagern große Lithium-Vorkommen - geschätzte 500.000 Tonnen Lithiumcarbonat auf der deutschen Seite, noch einmal doppelt so viel auf tschechischer Seite. Hier in der Erzgebirgsregion gibt es eine lange Bergbautradition, nach der Wende gingen allerdings sämtliche Bergbauunternehmen zugrunde. Der regionale Niedergang war in den letzten Jahrzehnten deutlich sichtbar. Hier erscheint das „weiße Gold“ wie die Rettung, denn tief im Osten engagieren sich nun Unternehmen für den Bergbau und die Nutzung der hauseigenen Lithium-Vorkommen.

LITHIUM, GLÜCK AUF!
Der Salzsee im Norden von Chile liegt auf über 4.000 Meter Höhe. Das Lithiumcarbonat, das aus dem salzhaltigen Wasser gewonnen wird, kann extrem günstig zu Kosten von gut 2.000 bis 2.500 USD pro Tonne produziert werden.

Die größten und wichtigsten Lithium- Produktionen befinden sich in Australien, Chile und Bolivien. Sie liefern drei Viertel der weltweiten Fördermenge und genießen dabei den Vorteil eines relativ kostengünstigen Produktionsprozesses. Denn es gibt zwei Möglichkeiten, den Rohstoff Lithium zu gewinnen:

  • Die kostenintensive Methode mittels Bergbau, so wie er traditionell betrieben wird,
  • und die günstige mittels Lithiumhaltigem Wasser aus Salzseen/Salaren 

Die Art der Rohstoffgewinnung macht den Kostenunterschied aus. Das Lithiumcarbonat aus der Atacama- Wüste kann zu Kosten von gut 2.000 bis 2.500 USD pro Tonne produziert werden. Das ist extrem günstig, denn das Lithium wird dort durch salzhaltiges Wasser gewonnen, das aus dem Boden in große Becken gepumpt wird, in denen es verdunstet. Auf Chile entfällt nach Zahlen vom Januar 2018 (German Trade & Invest, GTAI) bereits 42 % der weltweiten Produktion. Und der Anteil soll weiter steigen, da sich in Chile einiges an den politischen Gegebenheiten für die Bergbaubranche verbessern wird. Der neue designierte Bergbauminister beabsichtigt nach eigener Aussage die Minenindustrie des Landes zu reformieren. Ein neuer Bergbauentwicklungsplan soll weitere Auslandsinvestitionen in das Land bringen. Im bolivianischen Hochland gibt es ebenfalls riesige Lithium- Reserven, die Boliviens Präsident Evo Morales mit großen Investitionen zu Geld und Wohlstand ummünzen will. Über 800 Mio. USD stünden für neue Förderanlagen bereit, so Morales.

 

Die Volksrepublik China treibt den Lithium-Verbrauch mit mehr als 500.000 verkauften Elektro- und Hybridwagen (2017) voran. Aber auch Mercedes (s. Foto) und viele weitere Autohersteller treiben den Preis des Rohstoffes in die Höhe.

Auch Australien hat riesige Lagerstätten - geschätzt fast 1,5 Mio. Tonnen. Hier wird der Rohstoff allerdings mithilfe des klassischen Unter-Tage-Abbaus aus Festgestein gewonnen, d. h. brechen, mahlen, waschen und filtern. Das „weiße Gold“ aus Down Under kostet somit rund 4.000 USD pro Tonne und ist doppelt so teuer wie das Lithium aus den Salzseen Südamerikas. Sehr günstig für Australien ist, dass der Rohstoff zurzeit extrem gefragt ist und aufgrund der steigenden Nachfrage bereits zahlungskräftige Investoren aus China warten. Auf dieses Momentum hoffen auch die Akteure in Ostdeutschland. Hier steckt der Lithium-Abbau allerdings noch in den Kinderschuhen.

Die steigende Nachfrage bestimmt den Markt

Ohne das „weiße Gold“ bleibt die technische Revolution bei der digitalen Kommunikation, bei Elektroauto-Batterien, Windkraftanalgen und Smartphone- Akkus auf der Strecke. Die Voraussagen sind günstig, auch wenn bei Akkus und Batterien das Thema Effizienz nicht unerheblich ist, um der E-Mobilität den vollen Durchbruch zu bescheren. In den Jahren bis etwa 2038 soll die Nachfrage geschätzt auf fast das Vierfache der heute weltweit produzierten Menge anwachsen. Nach Schätzungen der Deutschen Rohstoffagentur (Dera) wird sich der globale Bedarf an Lithium von derzeit etwa 33.000 Tonnen bereits bis 2025 mindestens verdoppelt haben. 40 Mio. Tonnen Lithium lagern weltweit in Salzseen und Festgestein. Zumindest bis 2025 muss man somit nicht um eine ausreichende Versorgung bangen. Es werde langfristig genug Lithium für den Ausbau der E-Mobilität geben. Allerdings gibt es nach Angaben der Dera Situationen, in denen zu wenig Lithium auf den Markt kommen könnte - etwa bei einem starken E-Mobilitäts-Boom in Verbindung mit einem zu geringen Ausbau der Förderkapazitäten. Insbesondere China treibt den Lithium- Verbrauch voran und ist einer der aktivsten Spieler in der Branche. Die Volksrepublik hat den Rohstoff als strategische Ressource ganz oben auf der Einkaufsliste. Mit mehr als 500.000 verkauften Elektro- und Hybridwagen hat sich China 2017 zum größten Absatzmarkt für E-Autos entwickelt.

Peking will nicht nur Weltmarktführer in der E-Mobilität sein, sondern auch die Produktion von Batterien dominieren. Schon heute verbraucht das Land über 40 % des weltweiten Lithiums und fühlt auch bereits in Südamerika und Australien vor, um den hohen Rohstoffbedarf zu stillen. Der chinesische Autohersteller Great Wall Motors kaufte sich kürzlich beim australischen Konzern Pilbara Minerals ein und sicherte sich somit Zugriff auf große Lithium-Minen. Das Pekinger Private-Equity-Unternehmen GSR Capital beteiligt sich laut Presseberichten am Lithium-Produzenten SQM aus Chile.

 

Im Markt ist zurzeit viel Bewegung, trotzdem bestimmen wenige Unternehmen Angebot und Nachfrage. Wenn der Markt derartig konzentriert ist, besteht die Gefahr, dass es zu Abhängigkeiten und extremen Preisschwankungen kommt. Dies ist ein gutes Argument dafür, dass eine weitere Quelle die große Nachfrage befriedigt. Und damit sind wir wieder bei der deutschen Lithium-Produktion. Auch wenn sie mit Sicherheit nicht durch den Preis glänzen kann, wären neue Lieferverträge oder Projektbeteiligungen mit deutschen Produzenten eine gute Alternative, um Stabilität in den Markt zu bringen. Die Konkurrenz und der Kostendruck sind groß. Der Marktpreis von Lithiumcarbonat hat sich in der vergangenen Zeit extrem verteuert. Der Jahresdurchschnitt 2015 lag der Jahresdurchschnitt bei 6.460,- USD/Tonne. 2016 waren es rund 7.460,- USD/Tonne. Bereits im August 2017 lag der Preis für Lithiumcarbonat aber bei über 13.300,- USD/Tonne.

Insgesamt spricht alles für einen ostdeutschen Abbau der geschätzten 500.000 Tonnen Lithiumcarbonat. Die Folgen für die Umwelt, beispielsweise durch saures Grubenwasser, durch den hohen Energiebedarf und die Müllproduktion müssen eindeutig geklärt sein. Und Investoren müssen gefunden werden. Trotz aller Hindernisse sollen 2018 aber die derzeitigen Probebohrungen beendet sein und eine Machbarkeitsstudie vorliegen. Läuft alles glatt, kann 2019 der kommerzielle Abbau auch in Deutschland beginnen.

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